Zehn Logos in fünf Minuten

Stundenlang brühten sie, sitzen vor einem leeren Blatt Papier, zeichnen 100 Entwürfe am Tag, die allesamt im Papierkorb landen und beauftragen dann schließlich doch eine Agentur. Die Agentur legt los, macht auch nochmal hunderte Entwürfe – aber nur äußert selten ist das Ergebnis für alle Beteiligten zufriedenstellend. So ein Logo für ein Label ist eine heikle Sache, schließlich begleitet es im Idealfall das Label bis zum bitteren Ende. Als es im Mai 2016 darum ging, im Zuge der Vinylproduktion von „Proust ist mein Leben, doch es langweilt mich sehr“ ein Logo zu entwerfen, war Eile geboten. Jan Ziegner – der Haus-und-Hof-Grafiker von Rotte – schlug vor, dass doch der Rottler das selbst in die Hand nehmen sollte. Ein Label wie Rotte müsse zwingend auf Authentizität setzten, ein ausgechecktes und filigranes Design sei da fehl am Platz. Schließlich erinnere der Labelname an einen Spitznamen eines wohnungslosen Punkers, der schon morgens Dosenbier trinke, in der U-Bahn nach Kleingeld frage und einem nine-to-five-Arbeitstag herzlich wenig abgewinnen könne. Ein Wildschweinkopf, schließlich leben diese Tiere in einer Rotte, kam auch nicht in Frage. Eine schlichte Helvetica, die Grafiker in ihrer Verzweiflung gerne wählen, stand ebenfalls keine Sekunde zur Diskussion. Rotte: Das klingt wie Pisse, Kotze und Ratte – eben wie ein Punkername. Da muss der Labelgründer also selbst zur Feder greifen. Dieses Buchstaben aus Zeitungen auszuschneiden war leider auch schon zu oft zitiert. Was nun? Es muss hingeschludert aussehen, aber trotzdem eine gewisse Raffinesse aufweisen. Es muss nach Kotze, Pisse und Scheiße aussehen, aber dennoch museeumstauglich sein. Der Schwierigkeitsgrad ist also der denkbar größte. Im Grunde hatten wir zwei Wochen Zeit, bevor wir die Druckdaten dem Presswerk schicken mussten . Wir haben also eine Abkürzung gewählt. Rottler malt zehn Logos in fünf Minuten und Ziegner entscheidet sich für das kleinste Übel.

Hier die Doku dieser fünf Minuten:

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